Performance "Das Floß der Medusa"
Sa20Sep19:0000:30Performance "Das Floß der Medusa"Beitrag zu den Ulmer Friedenswochen
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Die griechische Mythologie und ihr Monsterwesen, die schrecklichen Folgen eines Schiffsunglücks 2000 Jahre später, Skandal im Jahre 1819 um ein Gemälde im Louvre, 150 Jahre später ein Buch über die
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Die griechische Mythologie und ihr Monsterwesen, die schrecklichen Folgen eines Schiffsunglücks 2000 Jahre später, Skandal im Jahre 1819 um ein Gemälde im Louvre, 150 Jahre später ein Buch über die Ästhetik des Widerstands, grauenhafter Kriegswahn heute.
Verena Holscher und Reinhard Köhler fügen die Fäden all dieser Ereignisse zu einer Performance zusammen, die die Betrachtenden befremden, aufwühlen und verstören wird.
„Das Floß der Medusa“
5 1/2 stündige Performance mit Reinhard Köhler und Verena Holscher
Der Titel dieser Performance verweist auf eine vielschichtige Geschichte von Gewalt, Verlust und Überleben.
Er erinnert zunächst an die antike Figur der Medusa, Sinnbild des Schreckens, deren Blick versteinert – ein Bild für das Erstarren angesichts des Grauens.
Zugleich spielt er auf das historische Schiffsunglück der „Méduse“ im Jahr 1816 an, bei dem ein staatliches Versagen Hunderte Menschenleben forderte. Aus den Überlebensberichten wurde ein Sinnbild für politische Verantwortungslosigkeit und menschliche Ausweglosigkeit. Eine große Gruppe von Menschen wurde von den Offizieren auf einem Floß zurückgelassen und trieb 10 Tage steuerungslos durchs Meer. Während dieser Zeit kam es zu grauenhaften Szenen u.a. des Kannibalismus.
Das Ereignis sorgte in Europa für Aufsehen. Das berühmte, riesige Gemälde von Théodore Géricault zeigt das Floß in dem Moment, in dem die bis dahin Überlebenden von einem Schiff gerettet wurden: ein Bild des nackten Überlebenskampfes zwischen Hoffnung und Verzweiflung, zwischen Tod und der Möglichkeit von Rettung.
Der Schriftsteller Peter Weiß beschäftigt sich in seinem berühmten Werk „Die Ästhetik des Widerstand“ über zig Seiten hinweg mit der offiziellen, aber auch der subjektiv-autobiographischen Rezeptionsgeschichte des Gemäldes. Das Floß wird zur Metapher für die Fragilität menschlicher Existenz - und für die Machtverhältnisse, die über Leben und Tod entscheiden.
Heute schließlich führt uns der Titel unweigerlich in die Gegenwart: Zu den Kriegen unserer Zeit, zu den Bildern von Flucht, Zerstörung und unendlichem Leid, die täglich sichtbar werden und zeigen, was der Mensch dem Menschen anzutun bereit ist.
All dies wird in der Performance nicht direkt thematisiert, bildet aber doch die Folie, die Plattform, auf der Verena Holscher und Reinhard Köhler ihr Tun entfalten. Dabei benutzen sie die die symbolträchtigen Materialien Erde und Salz, deren Ur- und Symbolkraft tief in den Grundfesten menschlichen Daseins verwurzelt ist. Ihre vielseitige Natur und zeitlose Bedeutung machen sie zu unverzichtbaren Elementen unseres Lebens, die weit über den einfachen chemischen Ursprung hinausgehen.
Die Performance findet mitten in der Ausstellung „Nie wieder Krieg! Die Waffen nieder!“ statt, die im Moment in der Galerie zu sehen ist.
Das alles ist sicherlich kein sehr erfreulich-erbaulich und einfach zu kosumierender Beitrag zur Kulturnacht. Unsere Kunstpool-Galerie wird eher zu einem Ort des Rückzugs und der Nachdenklichkeit, der Konfrontation und der Besinnung gleichzeitig.
Für alle, die sich ein bisschen über Performance-Art informieren wollen, hier noch ein ganz interessanter, kurzer Filmbeitrag der Frankfurter Kunsthalle Schirn, in dem erläutert wird, welche Wesensmerkmale Performance-Kunst hat:
Kurzfilm-Film der Frankfurter Kunsthalle Schirn: Was ist eigentlich Performance-Kunst?
Die Veranstaltung findet im Rahmen der Ulmer Friedenswochen und der Kulturnacht Ulm / Neu-Ulm statt.
Eintritt: 10 € (erm. 8 €) für alle rund 150 Veranstaltungen der Kulturnacht
Wir danken der Stadt Ulm (Kulturabteilung) für die Unterstützung.
Tag und Uhrzeit
20 September 2025 19:00 - 00:30(GMT+02:00)